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NJI_27 - Abschlussprüfung - Baccalarius
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Stáhnout celý tento materiálrmerischen Liebesklagen vor der Kulisse eines gepflegten Parks oder einer idyllischen Landschaft. Der einzige bedeutende deutsche Schäferroman ist Philipp von Zesens "Adriatische Rosemund (1645).
Christian Weise behandelt Stoffe aus dem täglichen Leben und schildert die Welt, wie si wirklich ist. Seinen Romanen liegt die erzieherische Tendenz zugrunde. Bsp. Die Drey Hauptverterber in Deutschland.
Johann Beer (1655-1700) schreibt – wie Weise – wirklichkeitsnahe, antihöfische Romane. Im Gegensatz zu Weise will er lediglich die Mitmenschen mit seinen bunten Geschichten unterhalten. Die Teutschen Winternächte, Die Kurtzweiligen Sommer-Täge.
Christian Reuter (1665 – nach 1712)
Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausens (1621/22-1676) Haupt- und Lebenswerk und zugleich der bedeutendste Roman des ganzen 17. Jhs. ist Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch (1669), in dem uns das Leben jener Zeit in seiner ganzen verwirrenden Vielfalt und Unberechenbarkeit vorgeführt wird.
Der junge Simplicissmus wächst bei bäuerliche Pflegeelten ohne Bildung heran. Er muss fliehen(Grund: Krieg), kommt zu einem Einsiedler, ihn aufnimmt, ihm Lesen und Schreiben beibringt und ihm die Grundbegriffe der Christenlehre erklärt. Dieser nennt seine Schüler Simplicius (der Einfältige; Superlativ: Simplicissimus). Nach dem Tode des Einsidlers wird S. Page und später narr bei dem schwedischen Gouverneur, Sänger und Galan adliger Damen. In Paris lernt er die vornehme Welt in ihrer Verderbnis und Zügellosigkeit kennen. Er flieht aus Paris, erkrankt an den Pocken, er wird gerettet, aber fällt wieder in sein schlechtes Leben zurück, kommt zu den "Merode-Brüdern", die mordend und plündernd durch das Land ziehen. Dann kommt er erneut zur Selbstbesinnung und pilgert in die Schweiz, wo er Katholiker wird. Über Wien und Schwarzwald kommt er nach Russland, zu den Tataren und bis nach Korea. Nach mehr als dreijähriger Irrfahrt kommt S. in die Heimat zurück, wo inzwischen Friede geworden ist. Seines irdischen Treibens müde, sagt er der Welt "adieu" und geht in die Wildnis des Waldes zurück, um als Einsiedler zu leben.
Dieser in fünf Bücher eingeteilte Roman kommt in seinem Geschehen der Gattung des Schelmenromans nahe. Der Schelmen- oder Picaroroman war Mitte des 16. Jhs. in Spanien entstande. Ein "Picaro" ist ein durchtriebener Bursche aus dem Volk, der sich in allen Lebenslagen zu helfen weiss, bedenkenlos lügt, stiehlt und betrügt, die Dummheit seiner Mitmenschen geschickt ausnützt. Dieser Schelmenroman kam durch Übersetzungen um die Wende vom 16. zum 17. Jh. nach Deutschland.
Simplicissimus entwickelt sich im Laufe seines Lebens vom naiven Naturburschen zum refen Manne, der sich selbst und die Fragwürdigkeit dieser Welt erkennt und ihr deshalb schliesslich entsagt. Grimmelshausens grossartige und in dieser Zeit einmalige Leistung besteht darin, dass sich sein Held nicht kontinuierlich vervollkommnet, sondern dass er als Mensch mit seinen Widersprüchen dargestellt wird. Der Autor glaubt unerschütterlich an das Gute im Menschen, und sein Simplicissimus hat trotz aller schlimmen Taten einen guten Kern. Er schrieb für jeden, den er belehren und moralisch bessern wollte. Er hielt sich an die Volksweisheit und bediente sich der urwüchsigen und natürlichen Sprache der einfachen Leute.
Satire und nationale Zeitkritik
Die unerträglichen politischen und sozialen Verhältnisse der Zeit und vor allem die durch den langen Krieg eingerissene sittliche Verkommenheit und nationale Würdelosigkeit der herrschenden Schichten in Deutschland veranlassten verantwortungsbewusste und nationalgesinnte Schriftsteller, eine kritische Stellung einzunehmen. Ihre teilweise sehr scharfen satirischen Angriffe richteten sich in erster Linie gegen das Alamodewesen, also gegen die Übernahme welscher Mode und Sitten, gegen übertriebenen Luxus, gegen Fremdwörtersuch und Sprachverderbnis, darüber hinaus aber auch gegen die neuen, heuchlerischen Lebensideale und Ehrbegriffe der höfischen Gesellschaft, in denen die eigentliche Ursache für Deutschlands nationalen Niedergang sahen.
Hans Michael Moscherosch (1601-1669)
Friedrich von Logau (1604-1655)
Aufklärung
Philosophische und ästhetische Grundlagen der Aufklärung
Der Begriff Aufklärung wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Lichtengberg, Wieland, Herder u.a. geprägt, ohne klar definiert zu werden. "Aufklärung" bedeutete zunächst die Abgrenzung vom "finsteren Mittelalter" und ganz allgemein den geistigen und kulturellen Zustand im 18. Jahrhundert. Die Aufklärung als europäisches Phänomen entstand aus der Notwendigkeit des Denkens von der Autorität der Theologie und der Kirche. 1784 definierte Kant die Aufklärung als "Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit". Die "Unmündigkeit" erklärte Kant als das Unvermögen selbständig zu denken; "selbstverschuldet", weil der Verstand zwar da ist, der Mensch aber nicht mutig genug ist, sich seiner zu bedienen. Der Appell an den Menschen, sich zum selbstständigen Denken aufzuraffen, ist nach Kant der Wahlspruch der Aufklärung.
Aus den ökonomisch und sozial forgeschrittenen Ländern Westeuropas (England, Frankreich, Niederlande) griffen die Ideen der Aufklärung auf das rückständige Deutschland über. In das wirtschaftlich sowie sozial rückständige, in mehr als 300 Kleinstaaten zersplitterte Deutschland gelangten die Ideen der Aufklärung mit einer nicht unerheblichen Verspätung. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts begann sich das Land von den Folgen des Dreissigjährigen Krieges allmählich zu erholen, langsam begann sich neben dem nationalen Bewusstsein auch das Bewusstsein der Isoliertheit und Rückständigkeit herauszubilden. Dies und andere spezifische Bedingungen hatten zur Folge, dass sich in Deutschland aufgrund der Ideen der europäischen Aufklärung ein eigenes, in mancher Hinsicht abgeschwächtes Gedankensystem entwickelte.
Das sich am stärksten auswirkende Spezifikum der deutschen Aufklärung war der Pietismus. "Pietismus" ist ein Sammelbegriff für mehrere religiöse Bestrebungen des Protestantismus, die sich in der zweiten Hälfte des 17. Jhs. entwickelten und über das ganze 18. Jh. wirksam waren. Gemeinsam ist ihnen die Emanzipation des Gefühls, die allerdings – im Gegensatz zu der des Verstandes – religiös gebunden blieb. Es geht zunächst um das subjektive religiöse Erlebnis, um einen individuellen Weg zu Gott.
Die grosse Resonanz des Pietismus ist auf eine Übersättigung von der akademisch-dogmatischen protestantischen Orthodoxie und auf ein unzureichendes inneres Erleben Gottes zurückzuführen.
Die ersten Spuren der Aufklärung in Deutschland liegen etwa zwischen 1680 und 1720; die Übergangsperiode beginnt mit den Vorlesungen von Christian Thomasius in Leipzig und schliesst die Herausbildung und Verbreitung der Philosophie G.W. Leibniz´ und Ch. Wolffs ein.
Christian Thomasius (1655-1728)
Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) versuchte das Wesen der Existenz der Welt und des Seins zu ergründen. Für die deutsche Aufklärung ist die These von der "prästabilierten Harmonie" und die Rechtfertigung der Welt mit allen ihren Mängeln als der "besten von allen möglichen Welten" von Bedeutung.
Christian Wolff (1679-1754), machte sich vor allem um die Popularisierung der Philosophie im Mittelstand verdient. Seine Philosophie ist stark utilitaristisch: sie sollte den Menschen einen moralischen Lebenshalt und dadurch Glück gewähren. Wolffs Streben nach dem Erstarken des Verstandes und der Tugend wurden von der jüngeren Generation (F. Nicolai, M. Mendelssohn) fortgesetzt.
Ergebnisse der Philosophie nicht vereinfachend, sondern durch Einwirkung auf Verstand und Gefühl zu popularisieren, war das Ziel von Moses Mendelssohn (1729-1786). Der erste aufgeklärte Jude Deutschlands war bestrebt, Erzieher seiner Glaubensgenossen, die in abgeschlossenen Ghettos lebten, zu werden.
Anfänge der Literatur der Aufklärung (1680-1720/5)
Die Aufklärer fassen die Literatur als Mittel der Erziehung zum vernünftigen Leben auf, nach dem Horazischen Grundsatz, dass die Poesei "prodesse et delectare", d.i. nützen und unterhalten müssen. Gestaltet wird entweder ein idealer Mensch, dessen Verhalten ausschliesslich von der Vernunft diktiert wird, oder – als negatives Warnbild – die Bestrafung unmoralischen, unvernünftigen Verhaltes. Die Tugend ist mit Wissen identisch, den Gegensatz bilden Unwissenheit und Torheit. Der Lohn ist irdisches Glück, die Strafe meist Lächerlichkeit – daher auch die grosse Beliebtheit der Satire.
Die Literatur der Aufklärung gestaltet Stoffe, die dem Zeitgenossen nahestehen, und Probleme, mit denen sich auch die Philosophie auseinandersetzt. Im Zentrum steht die Gegenwart, neue Erkenntnisse, die mit dem Leben in Einklang zu bringen sind. Das für das ganze 18. Jh. charakteristische Streben nach der Herausbildung der Nationalliteratur spiegelt sich im Bemühen um eine einheitliche Poetik wider. Für die Unselbständigkeit der deutschen Aufklärung ist bezeichnend, dass die klassizistische Theorie des Franzosen Nicolas Boileau übernommen und noch von Gottsched in den 30er Jahren als verbindlich durchgesetzt wurde. In seinem Werk L´art poétique (1674) verband Boileau die Vernunft mit dem Wahren, Schönen und Guten. Akzentuiert wurde das Wahre, d.i. das Vernünftige, denn nur das kann gut und schön sein. Die Kunst der Frühaufklärung, ebenso wie die des 17. Jhs., wendet sich nur sehr beschrändkt dem Individuellen zu; viel häufiger wird Allgemeines, Vorbildliches gestaltet. Die Antike interessiert Boileaus und seine Anhänger insofern, als sie die Mythologie als Gegenpart zum dogmatischen Christentum auffasen.
Ganz im Dienste des Zieles, auf unterhaltende Weise erzieherisch zu wirken, standen Zeitschriften. Die moralischen Wochenzeitschriften, wie sie bezeichnet werden, bedeuteteten den ersten Durchbruch des englischen Enflusses. Ihre Begründer Joseph Addison und Richard Steele wählten die wirksame Form regelmässiger Gespräche einer kleinen Gesellschaft, deren Mitglieder je nach Stand, Temperament und Bildung differenzierte Ansichten zu Problemen des zeitgenössischen Alltags vertreten.
Die ersten deutschen Wochenzeitschriften, wie z.B. Der Vernünftige (1713/14), veröffentlichten meist Übersetzungen aus englischen Zeitschriften. Die Beliebtheit bestätigen die 182 bibliographisch erfassten, zwischen 1713 und 1761 in Deutschland herausgegebenen Zeitschriften.
Die meisten lyrischen Werke der zweiten Hälfte des 17. Jhs gehörten zur höfischen Literatur. In der Pflege der geistlichen Dichtung knüpften die Pietisten an das Kirchenlied des 17. Jhs. an; mehr als 2000 Kirchenlieder verfasste Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf. Doch die religiöse Lyrik erhielt allmählich einen neuen, von den Ideen des Deismus und der "prästabilierten Harmonie" bestimmten Inhalt. Beide Themenkreise kommen im Werk von Johann Christian Günther (1695-1723) zum Ausdruck. Seine Rosetten-Lieder und Leonorelieder sind fröhliche sowie schmerzliche Liebesgedichte, die häufig als Beginn der modernen deutschen Liebeslyrik bezeichnet werden. In satirischen Werken griff er allgemeine Laster wie Aberglauben, Unwissenheit an.
Ende des 17. und Anfand des 18. Jhs. gab es in Deutschland weder stehende Theater noch Originaldramen von künstlerischen Niveau. Neben einer Reihe von Wandertruppen gab es ausschliesslich auf höfisches und adliges Publikum orientierte Hoftheater. Ausländische Einflüsse wirkten sich in verschiedenen Richtungen aus: das Repertoire des Hoftheaters bildeten meist italienische Opern und Ballette, seltener italienische und französische Stücke. Englische, italienisch und französische Schauspieler wurden eingeladen.
Übernommen wurde die Tradition des Schultheaters, das ebenfalls zur moralischen Erziehung beitragen sollte. Zu dessen Autoren gehörte vor allem Christian Weise (1642-1708), der seine Schüler für das praktische Leben vorbereiten wollte und für das Schultheater etwa 60 Stücke schrieb. Auch Christian Reuter (1665- etwa 1712) machte sich mit seinen zwei Komödien von der "ehrbaren" Frau Schlampampe um das Eindringen bürgerlichen Ideen in die Komödie verdient.
Die zunächst vereinzelten vereinzelten Bemühungen von Theatergruppen um die Verbesserung des Niveaus des deutschen Theaters vertiften sich allmählich, einen Wendepunkt bedeutete in den 30er Jahren die Theaterreform J.Ch. Gottscheds.
Der Roman, als Nachfolger des Epos eine Kunstform der Renassance, entwickelte sich voll erst in Zusammenhang mit der bürgerlichen Kultur. Die Poetik der Frühaufklärung fasste den Roman als eine minderwertige literarische Form auf, die eben dasjenige ausbaut, was die Aufklärer ablehnen. Das Unwahrscheinliche, das Übernatürliche war in phantastische, den moralisch-erzieherischen Zielen widersprechende Abenteuerlichkeit ausgeartet. Ausserdem fehlte dem Roman eine feste Komposition.
Die rationalistische oder die Gottsched-Phase (1720-1750)
Die moralischen Wochenzeitschriften des beginnenden 18. Jhs. fanden eine so grosse Resonanz, dass immer neue Herausgeber ermutigt wurden, sich auf diesem Gebiet zu engagieren. Als die erste originell Wochenzeitschrift können die von Schweizer Professoren Bodmer und Breitinger in Zürich gerausgegebenen Discourse der Mahler (1721/23) gelten. 1724 erschien zum erstenmal Der Patriot, die beliebteste Zeitschrift der deutschen Bürger, die rationales Denken vernünftligen Lebenswandel mit Geist und Witz wirksam durchsetzte.
Wenn sich in den Gedichten von Barthold Heinrich Brockes (1680-1747) die von Ch. Wolff vertretene Weltsicht widerspiegelt, so ist es nicht nur deren direkten Einwirkung, sondern ebenfalls Alexander Pope, dem englischen Vorbild des Dichters, zuzurechnen. Die erzieherische Tendenz war in der Lyrik besonders markant; sie unterdrückte Schwulst und Formlosigkeit des Spätbarocks. Im Werk Irdisches Vergnügen in Gott (I. Teil 1721, 9.Teil 1747) teilte er die rationalistische Überzeugung von der Macht der Vernunft, hielt aber Gott und die Welt für unergründlich.
Das didaktische Gedicht, das Philosophie und Poesie vereinte, fand in Albrecht von Haller (1708-1777) einen bedeutenden Repräsentanten. Das bedeutsamste Werk Hallers ist das epische Gedicht Die Alpen (1729). Sein Schwerpunkt liegt in der Begeisterung für den einfachen Menschen und seine Arbeit, im Lobgesang an die Alpenlandschaft, wo verdorbene Sitten noch unbekannt sind.
Um die Verbreitung pietistischer Weltsicht machte sich im deutschen Milieu der berühmte Roman des Engländers Daniel Defoe Robinson Crusoe (1719, deutsch 1720) besonders verdient. In Deutschland wurde die Übersetzung von 1720 sofort mit Begeisterung aufgenommen. Zwischen 1720 und 1760 entstanden mehr als 50 solcher "Robinsonaden".
In der deutschen Literatur ist eigentlich nur eine einzige Robinsonade von grösserer Bedeutung – Insel Felsenburg von Johann Gottfried Schnabel (1692 – nach 1750).
Auf einer einsamen Insel bildet eine kleine Gruppe von Schiffsbrüchigen nach manchen Abenteuern eine Gemeinschaft, die mit der äusseren Lebensform auch die Sensucht nach der Rückkehr in die alte Welt des Betrugst abgelegt hat. Auf sich selbst angewiesen, brauchen sie keine konventionellen Normen. Neuankömmlinge erzählen ihr Schrcksale, die die Schlechtigkeit der Welt blossstellen.
Johann Christoph Gottsched (1700-1766) war zweifellos die einflussreichste Persönlichkeit des deutschen literarischen Lebens der 20er bis 40er Jahre des 18. Jhs. Als Systematiker und Organisator trat er an die Erneuerung der Literatur und des Theaters heran.
Die grösste Aufmerksamkeit widmete er der Reform des Theater und des Dramas. So entstand seine Poetik Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen (1730). Ausgehend aus der bekannten Horazischen Forderung, die Dichtung solle nützen und unterhalten, war er überzeugt, dass Poesie zu erlernen sei – man müsse nur genug Kenntnisse von der Welt und dem Leben haben und die Regeln der Poetik befolgen.
Das Gefühl für das Ästhetische und den Geschmack hielt Gottsched für eine absolute Kategorie. Ihr Wesen sah er in der Übereinstimmung des Urteils der kritischen Vernunft mit Regeln, deren Befolgugn dem Kunstwerk Vollkommenheit sichert. Daraus folgte seine Ablehnung des Besonderen, Über- und Unnatürlichen, Unwahrscheinlichen, des "Wunderbaren". Er stellte die französische klassizistische Tragödie als einzig mögliches Vorbild hin. Den Zweck der Tragödie sah er in der moralischen Belehrung und Bekehrung des Zuschauers durch Furcht und Schrecken. Daneben lehnte er jede unnatürlich Äusserung (z.B. Monologe), jeden unwahrscheinlichen oder übernatürlichen Eingriff in die Lösung des Konflikts (Deus ex machina) ab. Tragische Helden dürfen ausschliesslich Personen von grosser Würde und hohem Stand sein, nur ihre Sorgen sind erhaben, nur ihr Scheitern wirklich tragisch. Als die grössten Vorbilder für die Tragödie galten ihm die französische Klassizisten Corneille und Racine.
Für die Komödie fand Gottsched Muster in den Epigonen Moliéres. Die Komik sollte vom Charakter der Person herrühren, daher hatten im Rahmen einer solchen Auffasung Harlekin oder Hanswurst mit ihrem Stegreifspiel, ihren derben Spässen, ihre Mimik auch in der Komödie keinen Platz mehr. In komischen Rollen tratet lediglich Personen aus dem Volk oder dem Mittelstand auf.
In den 40er Jahren wurde Gottsched immer häufiger zur Zielscheibe heftiger Angriffe. Es wurde ihm vorgeworfen, dass er die Eigenständigkeit des deutschen Geistes und Charakters nicht respektiere und infolge seiner einseitigen Bevorzugung französischer Vorbilder die Konstituierung des nationalen Dramas und Theaters verzögert hätte.
Die Schärfe des literarischen Streites zwischen den beiden Schweizer Professoren Johann Jakob Bodmer (1698-1783) und Johann Jakob Breitinger (1701-1776) auf der einen und Gottsched auf der anderen Seite ist nur schwer zu erklären, zieht man die Ähnlichkeit ihrer theoretischen Ausgangspositionen in Betracht. Beide Seiten bekannten sich zum Prinzip, dass das literarische Produkt von dem Verstand kontrolliert werden musss, fest bestimmte Regeln befolgen und einen konkreten moralisch-erzieherischen Zweck verfolgen soll.
Deutlicher und radikaler befasste sich Alexander Gottlieb Baumgarten (1714-1762) in seinem Werk Aesthetica (1750, 1758) mit der Rolle der Phantasie in der Kunst. Er trennte ihre Gesetze von den Gesetzen der Vernunft, um den Zweck der Kunst und Literatur von dem der Ethik abzugrenzen.
Empfindsamkeit. Rokoko und Anakreontik
Die Empfindsamkeit hat ihre Wurzeln im Pietismus. Sie machte sich in allen Genres geltend: im Drama in der Form von weinerlichen Lustspielen (Gellert), im Lehrgedicht (Gellert) und in Oden (Klopstock), im Roman (Gellert, Laroche).
Um die Zeitschrift Belustigungen des Verstandes und Witzes (seit 1741 in Leipzig) versammelte sich eine Gruppe von jungen Intellektuellen, die mit Gottsched symphatisierten. 1744 gründeten sie in Bremen eine eigene Zeitschrift – Neue Beiträge zum Vergnügen des Verstandes und Witzes, die als Bremer Beiträge bekannt wurde. Die Gruppe ihrer Mitarbeiter – K. Ch. Gärtner, G. W. Rabener, J. E. Schlegel, F. W. Zachariä, Ch. F. Gellert – ist unter der Bezeichnung Bremer Beiträger in die Literatur getreten. Die Gruppe verband die Auffassung der Literatur als Mittel zur Aufkläung und Bildung des Mittelstandes und die Trennung von Gottscheds erstarrtem Rationalismus.
Gottlieb Wilhelm Rabener (1714-1771) in seinen Sammlung satirischer Schriften und Satirischen Briefen realisierte an Gottsched anknüpfende Theorie der Satire: Da der Satiriker stark beeinflussen kann, soll er äusserst veratwortungsvoll vorgehen, um die öffentliche Ordnung nicht zu zerstören. Die Satire soll keine Persönlichkeit zur Zielscheibe haben, sie soll menschliche Schwächen, nicht den Menschen selbst lächerlich machen.
Der bedeutendste von den Bremer Beiträgern war Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769). Gellert wirkte als konsequenter Erzieher, seine Mittel waren tugendhafte Vorbilder und abschreckende Beispiele von Lastern.
Beliebt und vielgelesen waren seine Fabeln und Erzählungen (1746, 1748). Die jedem verständliche Moral der Fabeln überzeugt von den Freuden eines besonnenen Lebens und kritisiert Geiz, Überheblichkeit, Stolz, besonders aber Heuchelei und Bigotterie.
Auch im Drama verfolgte Gellert erzieherische Ziele und nutzte dazu den neuen Lustspieltyp – das ernste und weinerliche Lustspiel (comédie sérieuse, comédie larmoyante), in dem Lustiges neben Rührseligem stand, um eher Tränen des Mitleids als fröhliches Lachen hervorzulocken.
Gellert schrieb auch Roman Leben der schwedischen Gräfin von G… (1746/48), obwohl Roman immer noch im Hintergrund stand.
Gellert vertritt den Standpunkt, dass alle Konflikte vernünftig gelöst werden könnten, Tragödien seien nur dort unvermeidlich, wo die Situation den Gesetzen der Natur und der Vernunft widerspricht (Eheleute, die feststellen, dass sie Geschwister sind).
Die Rokokodichtung übernahm zum Teil Traditionen der Barockpoesie, die jedoch ihre Monumentalität verloren hatten und in ein sorgloses, graziöses Spiel umfunktioniert wurden. Die Dichter holten sich aus der griechischen und römischen Mythologie Personen, die erotische Empfindungen symbolisierten (Venus, Amor, Psyché, Grazien, Nymphen u.a.m.) und pflegten auch die aus der Barockzeit beliebte Schäferliyrik, deren Naturmotive sie mit sentimentalen Zügen ausstatteten.
Im Vergleich zu der klassizistischen Poetik wesentlich freier, die Grenze zwischen literarischen Gattungen sind nicht streng gezo
Vloženo: 24.04.2009
Velikost: 637,00 kB
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