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Morphologie Franz Patocka
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5.2.1.2. Einzelheiten zu Bildung und Semantik der Determinativkomposita
Determinativkomposita sind - anders als die kopulativen Bildungen (vgl. schwarz-rot-gold) - ihrem Wesen nach immer zweigliedrig. Das Erstglied, welches das zweite determiniert, wird als Bestimmungswort bezeichnet. Das Zweitglied, also das durch das Bestimmungswort determinierte, ist das Grundwort. Dabei können sowohl das Bestimmungs- als auch das Grundwort bereits komplexe Wörter sein, was aber an der prinzipiellen Zweigliedrigkeit nichts ändert. Das häufig zitierte Beispiel Donaudampfschifffahrtskapitän (welches beliebig ausgebaut werden kann, wenigstens bis zu der Grenze, die das Kurzzeitgedächtnis setzt) ist aufzufassen als Zweigliedriges Kompositum mit dem (komplexen) Bestimmungswort Donaudampf schifffahrt und dem Grundwort Kapitän. Das Bestimmungswort lässt sich seinerseits wieder auf Zweigliedrigkeit zurückführen etc. Die einzelnen Stufen bis hinunter zu einem Kompositum aus zwei einfachen Wörtern lassen sich etwa in folgender Weise darstellen:
(16)
Donau dampfschifffahrts | kapitän
|______________|
Donau | dampfschifffahrt
|________|
Dampfschiff | fahrt
|_______|
Dampf | schiff
|_____|
Innerhalb der Klasse der Determinativkomposita kann man noch eine Unterteilung vornehmen, die sich aus den unterschiedlichen semantischen Verhältnissen zwischen dem Grundwort einerseits und dem gesamten Kompositum andererseits ergibt:
In der Mehrzahl der Fälle liegt die Bedeutung des Kompositum innerhalb der Bedeutung des Grundwortes. So ist Rotwein eine bestimmte Art von Wein, blutrot eine spezifische Art von rot. Solche Zusammensetzungen, die den Normalfall darstellen, werden häufig als endozentrische Determinativkomposita bezeichnet.
In einigen Fällen liegt die Bedeutung des Kompositum jedoch nicht innerhalb, sondern außerhalb der Bedeutung des Grundwortes, vgl. Geizhals, Rotkehlchen, Hasenfuß, Lästermaul. Ein Geizhals ist kein „Hals", sondern ein „geiziger Mensch", ein Rotkehlchen kein „Kehlchen", sondern ein „Vogel mit einem roten Kehlfleck" etc. Man spricht hier auch von exozentrischen Determinativkomposita (häufiger als Possessivkomposita bezeichnet, da sie auf eine Eigenschaft verweisen, die jemand/etwas besitzt). Der Unterschied zwischen diesen beiden Subklassen wird auch durch folgende Überlegung deutlich: Während etwa bei Rotwein das Bestimmungswort erspart werden kann, sofern es aus dem situativen Zusammenhang erschließbar oder auch irrelevant ist, ist dergleichen bei Geizhals nicht möglich. Vgl. die folgenden fiktiven Dialoge:
(17) „Wo ist der Rotwein?" — ,Den Wein hast du schon aus getrunken."
(18) „Mein Mann ist ein richtiger Geizkragen." - „Seit wann bist du mit dem Kragen verheiratet?"
Die komische Wirkung des Beispiels (18) rührt eben daher, dass eine Reduktion auf das Grundwort nicht zulässig ist, wenn seine Semantik nicht auch die des Kompositums umschließt.
Ein besonderer Typ von Determinativkomposita liegt auch bei Bildungen wie Liebhaber, Viertürer, braunäugig, rotbackig vor; sie werden in der Literatur meist als Zusammenbildungen bezeichnet. Im Gegensatz zu Haustor oder grasgrün weisen sie Zweitglieder auf, die im Wortschatz nicht als selbständige Einheiten enthalten sind (*Haber, *Türer, * äugig, *backig). Man könnte daher die Meinung vertreten, es handle sich dabei gar nicht um Komposita, was LESER (1990) und VATER (1994) aber zu widerlegen versuchen: Solche Wörter sind nach ihrer Ansicht Komposita, deren Grundwörter aus pragmatischen Gründen nicht allein vorkommen. Da jeder Mensch Augen besitzt, ist das Wort äugig („Augen habend") kommunikativ nicht notwendig. Anders ist dies bei braunäugig, da nicht alle Menschen braune Augen haben; braunäugig steht damit in einer paradigmatischen Beziehung zu blauäugig, grünäugig etc. Es sind aber durchaus Kontexte denkbar, in denen äugig sinnvoll und aufgrund der Produktivität des dabei angewandten Wortbildungsverfahrens (der Derivation, s. dazu das folgende Kapitel) wenigstens als spontane Neubildung durchaus nicht ungewöhnich wäre, z.B. um Kartoffeln mit Augen zu bezeichnen. Dass solche Überlegungen nicht an der Wirklichkeit vorbeigehen, zeigt u.a. das von Psychologen geschaffene Wort Händigkeit, rückgebildet aus Rechts- bzw. Linkshändigkeit, das die lexikalische Lücke eines Oberbegriffs (Hyperonym) füllt.
Bezüglich der Bedeutung der Determinativkomposita haben wir unter anderem festgestellt, dass zwischen den beiden Gliedern eine semantische Beziehung besteht. Offen geblieben ist die Frage, wie diese determinative Beziehung beschaffen ist. Vgl. dazu die folgenden Beispiele:
(19)Wintermantel„Mantel, den man im Winter trägt“
Kindermantel„Mantel, der für ein Kind bestimmt ist“
Pelzmantel„Mantel aus Pelz“
Staubmantel „Mantel, der gegen Staub schützt“
etc.
(20)Kuhmilch„von Kühen produzierte Milch"
Schulmilch„Milch, die in der Schule getrunken wird"
Erdbeermilch„mit Erdbeeren versetze Milch"
Magermilch„hinsichtlich des Fettgehaltes 'abgemagerte' Milch"
etc.
Die Möglichkeiten sind also äußerst vielfältig; z.B. kann durch das Erstglied Herkunft, Material, lokale oder zeitliche Einordnung, Zweck und vieles mehr ausgedrückt werden. Dass die Semantik solcher Komposita eindeutig interpretierbar ist, hängt mit dem „Weltwissen" zusammen, also mit dem bei Sprecher und Hörer erwartbaren Erfahrungsschatz in Bezug auf die Dinge und Vorgänge der realen Welt; aufgrund dieses Wissens verbietet es sich, analog zur Bedeutung von Pelzmantel bei Kindermantel auf die Relation „bestehend aus" zu schließen. In manchen Fällen kann man allerdings nur unter Einbeziehung des Kontextes eindeutig entscheiden, welche Relation vorliegt. HERINGER (1984) bringt dafür das Beispiel Fischfrau, das eine große Zahl von Bedeutungen annehmen kann, darunter z.B. „Frau, die Fische verkauft", „Frau, die im Sternbild der Fische geboren wurde", „Frau, die kalt wie ein Fisch ist", „Frau, die wie ein Fisch aussieht" (auch die kopulative Lesart „Frau und Fisch" = „Nixe" ist möglich). Alle die angeführten Zusammensetzungen mit ihrer prinzipiellen Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten werden in der neueren Literatur unter dem Terminus Nichtrektionskomposita zusammengefasst.
Daneben gibt es aber auch Determinativkomposita, bei denen die Relation zwischen den beiden Komponenten von vornherein klar ist, da das Grundwort eine bestimmte Rektion aufweist, d.h. vereinfacht: eine bestimmte grammatische Form fordert, welche durch das Bestimmungswort repräsentiert wird. Solche Rektionskomposita sind z.B. Autofahrer („Jemand, der mit dem Auto fährt“), Briefschreiber („Jemand, der einen Brief schreibt“). Die eindeutige Interpretation ist deswegen möglich, weil die Bestimmungswörter offensichtlich die von den Grundwörtern (bzw. den zugrunde liegenden Verben) verlangten Ergänzungen darstellen (fahren: womit?; schreiben: was?). Dennoch sind in manchen Fällen Zweideutigkeiten nicht ausgeschlossen: Alkoholfahrer kann zum einen als Rektionskompositum verstanden werden („Jemand, der Alkohol fährt“, mit fahren in der Bedeutung „befördern"), zum anderen als Nichtrektionskompositum („jemand, der alkoholisiert fährt").
Unter den Komposita gibt es auch Sonderformen, bei denen die Entstehung aus Syntagmen noch deutlich erkennbar ist; vgl. etwa das Wort trotzdem, das aus der Verbindung trotz + dem hervorgegangen ist, oder Hoheslied, bei dem sowohl das Grundwort als auch das Bestimmngswort die Flexion bewahrt haben (das Hohelied, des Hohenlieds etc.). Bildungen wie diese werden meist als Zusammenrückungen bezeichnet (FLEISCHER 1982 versteht unter diesem Terminus allerdings Zusammensetzungen, bei denen die Wortart des Grundwortes nicht mit der des Kompositums übereinstimmt, z.B. Nimmersatt, Dreikäsehoch). Unter Umständen lassen sich auch spontane Neubildungen aus Syntagmen wie im folgenden Satz unter die Zusammenrückungen subsumieren:
(21) Ich habe mich an das Jeden-Groschen-dreimal-umdrehen-Müssen gewöhnt.
5.2.1.3. Fugenelemente
Im Zusammenhang mit der Komposition ist zuletzt noch auf ein besonderes Phänomen hinzuweisen: In vielen Bildungen ist zwischen die beiden Komponenten ein sogenanntes Fugenelement eingeschoben, vgl. z.B. Tage\s\zeit, Geist\er\fahrer, Rose\n\strauch, maus\e\tot. Ohne ein solches Element sind etwa Fußball, Tagtraum, Bandnudel, mausgrau zusammengesetzt. Es ist zwar offenkundig, dass die Fugenelemente historisch aus Flexiven entstanden sind, doch ist dies aus synchroner Sicht irrelevant. Dass sich diese Elemente an der Kompositionsfuge „verselbständigt" haben und nicht unbedingt mit der Flexion der Bestimmungswörter zu tun haben, zeigen Bildungen wie Arbeitskraft, sendungsbewusst, da die betreffenden Wörter nie eine Flexionsform mit -s hatten. Zwar gibt es gewisse Regeln bezüglich des Auftretens von Fugenelementen, wie z.B. die Obligatorik eines -s- nach -heit, -ung etc. (vgl. Freiheitsdrang, Fahndungserfolg), doch kann nicht die Rede davon sein, dass die Setzung oder Nichtsetzung grammatikalisch oder semantisch motiviert wäre. So ist etwa nicht einzusehen, inwiefern ein Schweinesteak mit dem Plural von Schwein in Verbindung zu bringen wäre. Die Fugenelemente sind außerdem z.T. regional unterschiedlich, vgl. Schweinebraten : Schweinsbraten, Rindsgulasch : Rindergulasch.
5.2.2. Derivation
Bei der Derivation oder Ableitung erfolgt die Wortbildung mit Hilfe von Wortbildungsmorphemen in der Form von Vor- oder Nachsilben, die eine Bedeutungsveränderung bewirken. Vorsilben werden auch als Präfixe bezeichnet, Nachsilben als Suffixe; der Oberbegriff (Hyperonym) für beide ist Affix („Silbe" ist hier freilich nicht im phonetischen, sondern im morphologischen Sinn gemeint). Die Ergebnisse solcher Vorgänge nennt man allgemein Derivate, die Unterarten Präfix bzw. Suffixbildungen; der Bildungsvorgang heißt Affigierung, seine Unterarten Präfigierung und Suffigierung.
In manchen Sprachen kommen auch noch weitere Affigierungsarten vor. Z.B. treten etwa im Lateinischen oder Arabischen auch Infixe auf (vgl. iugum „Joch" iu\n\gere „verbinden"). Für das Deutsche sind derartige Bildungen nicht anzunehmen, wenngleich gelegentlich in Wörtern wie reinigen, köcheln (vgl. unten die Beispielliste 23) die Bestandteile -ig-, -el- als Infixe aufgefasst werden; da wir die - in den verbalen Beispielen bewusst ausgelassenen - Infinitivendungen aber als Flexive und nicht als Wortbildungssuffixe betrachten, ist die Annahme einer Infigierung hinfällig.
In manchen Darstellungen wird außerdem für Ableitungen wie Gebirge, Geselle eine Zirkumfigierung (mit dem Zirkumfix Ge-... -e) angesetzt.
5.2.2.1. Präfigierung
Von der Möglichkeit der Präfigierung wird im Deutschen bei Substantiven, Adjektiven, Adverbien und vor allem bei Verben Gebrauch gemacht. Vgl. die folgenden Beispiele:
Un | glück
An | sieht
un \ schön
vor \ gestern
be \ lehr-
ent \ komm-
Die meisten Präfixe sind auf eine einzige Wortart beschränkt, v.a. auf Verben, z.B. be-, zer-, auf- (ein Wort wie Auffahrt ist kein Gegegenbeweis, da der Suffixbildung mit -t das verbale auffahr- zugrunde liegt); andere Präfixe sind hingegen mehr funktional, d.h. bei der Ableitung von mehreren Wortarten möglich, vgl. z.B. un- in unrein, Unart oder miss- in missfallen, Missgeburt etc.
Bei den verbalen Präfixbildungen unterscheidet man aufgrund des unterschiedlichen syntaktischen Verhaltens zwei Arten, und zwar die untrennbaren und trennbaren Präfixverben. Bei ersteren bilden Präfix und Verb eine feste Verbindung, die in keiner syntaktischen Verwendung gelöst wird (vgl. entgehen: das entgeht mir nicht; beladen: ich belade das Auto), während die letzteren in finiter Form, außer in eingeleiteten Nebensätzen, eine Distanzstellung zueinander einnehmen (vgl. aufgehen: die Sonne geht gleich auf; anklopfen: klopfen Sie bitte an!}. Solche Präfixbildungen zeichnen sich durch Präfixbetonung aus. Gelegentlich kann ein Präfix beiderlei Arten verkörpern, z.B. um- in umfahren: er umfährt das Hindernis; erfährt das Hindernis um.
5.2.2.2. Suffigierung
Die Suffigierung dient ebenfalls als Wortbildungsmittel für Substantiva, Adjektiva, Adverbia und (wenn auch selten) für Verba; vgl.
Schwimm \ er
Schuh werk
gelb | lieh
scharen \ weise
rein \ ig-
köch | el-
Aus dem jeweiligen Suffix geht hervor, welcher Wortart das komplexe Wort angehört. Suffixe sind also wortartdeterminierend; vgl. -chen, -turn, -schaß, -er: Substantiva (Bübchen, Reichtum, Gegnerschaft, Lehrer); -bar, -lieh, -ig, -sam, -mal: Adjektiva bzw. Adverbia (essbar, ehrlich, wendig, erholsam, hundertmal).
Hinsichtlich der Wortart, aus der mittels Suffigierung ein neues Wort entsteht, lassen sich unterscheiden: desubstantivische (Haus > häuslich, Glück > glücken), deadjektivische (weise > Weisheit, mäßig > mäßigen) sowie deverbale (lad- > Ladung, duld- > duldsam) Bildungen.
5.2.2.3. Einzelheiten zu Bildung und Semantik der Derivate
Ähnlich den Mehrfachkomposita gibt es auch Derivate, in denen von derselben Wortbildungsart mehrfach Gebrauch gemacht wird; solche Wörter lassen sich schrittweise auf Simplizia zurückführen, vgl.
(24) Unerreichbar \ keit < un \ erreichbar < erreich \ bar < er \ reich- < reich-
Abgesehen davon, dass mittels bestimmter Affixe ein Wechsel der Wortart erreicht werden kann, bewirken diese auch eine semantische Modifikation, die sehr vielgestaltig ist. Vgl. dazu den folgenden Ausschnitt aus den Möglichkeiten, die hinsichtlich der hinzutretenden semantischen Merkmale bestehen (nach GROSS 1988):
(25) Diminution („klein"):Baum > Bäum chen
Rock > Mini \ rock
Augmentation („groß, stark"):Gauner > Erz \ gauner
Zahl > Un \ zahl
Negation („nicht", „gegen"):Raucher > Nicht \ raucher
klerikal > anti \ klerikal
Motion („weiblich", seltener „männlich):Lehrer > Lehrer | in
Gans > Gäns | erich
(Bemerkung: Die Herkunft des Elements „-erich“ ist unklar. Im MHD jedoch „antreche“ (Entereich) und –erich wurde zum produktiven Suffix der Movierung.)
Gradation („sehr"; „zu sehr"): alt > ur \ alt
genau > über \ genau
Taxation (z.B. „schlecht"; „ehemalig"):Tat > Un tat
Präsident > Ex \ präsident
Kollektion („gesamt"):Schuh > Schuh | werk
Mann > Mann \ schaß
etc.
Wortartwechsel ist natürlich ebenfalls mit einer Veränderung der Semantik verbunden, vgl. etwa die häufigen Nomina agentis (auch Täternamen) wie Retter< rett-, Leser < les- oder die deverbalen bzw. deadjektivischen Abstrakta Ersparnis < erspar-, Achtung < acht-; Wildnis, Wildheit < wild.
Bei einer Reihe von Präfix- und Suffixbildungen ist festzustellen, dass die Ableitungsbasis in der Sprache der Gegenwart allein nicht vorkommt, z.B. Un \ flat, ent \ behren, scheuß \ lich, schnipp \ isch. Solche Derivate können nur durch Einbeziehung der Diachronie erklärt werden: In -flat ist mhd. vlät „Sauberkeit, Schönheit" enthalten, das als Simplex verloren gegangen ist; entbehren entpuppt sich als nhd. Weiterentwicklung von mhd. enbern, bestehend aus der Negationspartikel en- und bern „tragen", woraus sich die Bedeutung „nicht haben" herleitet; in scheußlich steckt mhd. schiuzen „Abscheu empfinden"; schließlich liegt der Ableitung schnippisch das Verb schnuppen, Bedeutung etwa „mit aufgeworfener Oberlippe die Luft verächtlich einziehen", zugrunde. In rein synchroner Sicht wären alle diese Bildungen nicht in bedeutungstragende Einheiten segmentierbar, dennoch ist es sinnvoll, aufgrund der paradigmatischen Beziehungen, die diese Wörter zu anderen haben (z.B. Unflat zu Unrecht, Unglück etc.) nicht als Simplizia zu werten (vgl. auch das in Kapitel 4.3. zu den unikalen Morphemen Gesagte).
Eine Streitfrage in der Literatur zur Wortbildung stellen auch Wörter wie Fang, Bruch, Griff, Gang dar, die FLEISCHER (1982) als implizite Ableitungen bezeichnet. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass sie kein Wortbildungssuffix (oder genauer: das Suffix „null") aufweisen. Sie unterscheiden sich häufig vokalisch von ihrer Ableitungsbasis (vgl. Sprung < spring-, Bruch < brech-), manchmal auch konsonantisch (vgl. Gang < geh-). Das Problem bei solchen Bildungen besteht darin, dass sie nur mit Hilfe der Etymologie als Ableitungen entlarvt werden können; obendrein ist dieses Mittel in der Gegenwartssprache praktisch nicht mehr produktiv. (Ausnahme: schweizerisches Deutsch) Manche Linguisten plädieren daher dafür, vom Terminus innere Ableitung Abstand zu nehmen und solche Phänomene unter die Konversionen zu reihen, die wir im folgenden Kapitel behandeln.
5.2.3. Sonstige Wortbildungsarten
Außer den beiden Wortbildungsprozessen Komposition und Derivation sind noch einige weitere zu nennen, von denen besonders die soeben erwähnte Konversion von Bedeutung ist.
Unter Konversion versteht man in diesem Zusammenhang die Ableitung von einer Wortart in eine andere ohne Zuhilfenahme eines Derivationssuffixes. Hierher gehören also Fälle wie die folgenden:
(26)fang- > Fang(Verb > Substantiv)
grün > grün-(Adjektiv > Verb)
Rauch > rauch-(Substantiv > Verb)
treffen > (das) Treffen(Verb mit Infinitivmorphem > Substantiv)
Feind > feind(Substantiv > prädikativ gebrauchtes Adjektiv)
Auch die oben erwähnten Wörter Bruch, Griff, Gang lassen sich als Konversionen auffassen. Allerdings stellen sie dann eine besondere Kategorie dar, da bei ihnen zwar ebenfalls kein Ableitungsmittel (bzw. „null") verwendet wird, die Ableitungsbasis sich jedoch vokalisch bzw. konsonantisch ändert. Dies ist aber insofern nichts Außergewöhnliches, als auch bei der expliziten Ableitung (d.h. einer solchen mit Suffix) häufig ein ähnlicher Wechsel stattfindet, vgl. Garten > Gärtner, Ursprung > ursprünglich.
Bei der Amalgamierung oder Kontamination (solche Wortbildungsprodukte werden auch als Kofferwörter bezeichnet) werden zwei Wörter, die einander in einer phonologischen Sequenz überlappen, bzw. zwei Komposita zu einem zusammengefügt, z.B.:
(27) Kur + Urlaub > Kurlaub
Postblatt + Correspondenzkarte > Postkarte
Von der Amalgamierung wird häufig Gebrauch gemacht, um humoristische Wirkungen zu erzielen, vgl. Wörter wie Neurosenkavalier, passierscheinheilig, Psychoanalüge. Meist sind dies lediglich sprachspielerische Spontanbildungen, seltener dringen sie in den Allgemeinwortschatz ein, wie z.B. das aus dem Englischen übernommene Smog (aus smoke und fog).
Bei der Bildung von Kurzwörtern werden Wortteile weggelassen; manchmal tritt auch ein Wortbildungssuffix hinzu, wie in den letzten beiden der folgenden Beispiele:
(28) Oberkellner> Ober
Automobil> Auto
Violoncello> Cello
Motorveloziped> Moped
Transformator> Trafo
Trabant> Trabi
Mikrofon> Mikro
etc.
Mit den Kurzwörtern verwandt sind die Akronyme oder Initialwörter. Bei diesen wird aus den Anfangsbuchstaben von verschiedenen Wörtern (bzw. von Kompositionsgliedern) ein neues Wort gebildet; dabei kann es sich entweder um Initialwörter mit Buchstabenaussprache handeln (vgl. 29) oder um solche mit silbischer Aussprache (vgl. 30):
29) Sozialdemokratische Partei Österreichs > SPÖPersonenkraftwagen > Pkw
30) Hamburg-Amerikanische Paketfahrt-Actiengesellschaft > HapagNorth Atlantic Treaty Organization > NATO
Gelegentlich wird nur ein Teil des Wortes akronymisch gebildet, vgl. Untergrundbahn > U-Bahn, Verbindungsmann > V-Mann.
Einen Übergang zu den bereits erörterten Kurzwörtern stellen die Silbenwörter dar, bei denen nicht nur einzelne Buchstaben, sondern deren mehrere aneinandergefügt werden, vgl. Belgien + Niederlande (Nederland) + Luxemburg > Benelux; Billiger Laden > BILLA.
5.3. Zur Kombinierbarkeit und Produktivität von Wortbildungsmustern und -mitteln
Wie einzelne Beispiele bereits erkennen ließen, können in einem komplexen Wort Komposition und Derivation in vielfältiger Weise miteinander verquickt sein; vgl. die folgenden Beispiele, in denen die jeweiligen Wortbildungs-Schritte ausgehend vom Simplex) angedeutet werden (P = Präfigierung, S = Suffigierung, K =Komposition):
(31) Bauschlosser:
Schloss > Schloss \ er (S) > Bau \ Schlosser (K)
(32) Kopfbedeckung:
deck- > be \ deck- (P) > Bedeck \ ung (S) > Kopf\ bedeckung (K)
(33) sportärztlich:
Arzt > Sport \ arzt (K) > Sportarzt \ lieh (S)
(34) Belastungsprüfung:
Prüfung > Belastungs \ prüfung (K, mit Fugenelement)
Bestimmungswort: Last > be \ last- (P) > Beiast \ ung (S)Grundwort:prüf- > Prüf\ ung (S)
Die Genese einer Wortbildung kann freilich - wenigstens in synchroner Sicht - nicht immer genau bestimmt werden. So ist z.B. kaum zu entscheiden, ob ein Bodenturner ein Turner ist, der als Sportgerät den Boden gewählt hat (also zunächst Suffigierung vom Verbalstamm turn-, dann Komposition), oder ob es sich um jemanden handelt, der bodenturnt (also verbale Komposition, dann Derivation).
Wenn wir in diesem Zusammenhang von Produktivität sprechen, so meinen wir damit die zu einer bestimmten Zeit bestehende Möglichkeit, von Wortbildungsmustern bzw. -mitteln Gebrauch zu machen. Dabei sind von Sprache zu Sprache große Unterschiede festzustellen. Während im Deutschen der Gegenwart das Prinzip der Komposition sehr produktiv ist, lässt z.B. das Französische kaum die Bildung von neuen Zusammensetzungen zu (vgl. dt. Orangensaft, frz. jus d'orange, eine Wortgruppe). Was die einzelnen Wortbildungsmittel betrifft, v.a. die Affixe, ist die Produktivität in den einzelnen Epochen einer Sprache unterschiedlich. In historischen Vorstufen des heutigen Deutschen war es z.B. möglich, mit Hilfe von Ableitungssuffixen zu einem Verb ein Kausativum zu bilden, also ein verbales Derivat, das das Bewirken eines Vorganges anzeigt, vgl. fällen
Vloženo: 17.08.2011
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