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Morphologie Franz Patocka
Morphologie NJ - Morphologie NJ
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Stáhnout celý tento materiálsein, was aber intuitiv nicht einleuchtet.
Will man trotz allem an einer praktikablen Gliederung des Wortschatzes in Wortarten festhalten, so wird man um Kompromisse und Kriterienvermengungen kaum herumkommen, so „unsauber" dies in methodischer Hinsicht auch sein mag. Eine strenge nach einheitlichen Prinzipien vorgenommene Differenzierung würde uns nämlich unweigerlich in sehr ungewohnte Bahnen zwingen. So lässt etwa die von amerikanischen Strukturalisten (Bloomfield, Harris u.a.) vorgenommene konsequente Klassifizierung nach distributionellen Kriterien (also nach der Umgebung im Satz sowie nach der Ersetzbarkeit der Wörter) keine Unterscheidung zwischen Artikeln und einem Teil der Pronomina zu; weiters müsste man vom Verb als Wortart Abschied nehmen, da sich infinite Verben distributioneil anders verhalten als finite Verben.
Im Folgenden kommen wichtige morphologische Einheiten zur Sprache, die sich nicht mit Wörtern zur Deckung bringen lassen; dennoch werden wir immer wieder auf die Begriffe Wort und Wortart zurückkommen müssen, so sehr sie sich auch einer genauen Definition entziehen.
4. Morphologisch relevante Einheiten
4.1. Morph, Morphem, Allomorph
Es wurde bereits festgestellt, dass das Wort nicht als die kleinste sprachliche Einheit mit einer semantischen Dimension gelten kann. So besteht etwa das Wort Hunde aus zwei bedeutungstragenden Bestandteilen: Hund- und -e, wobei letzterem die Bedeutung „Plural" zukommt. In der Morphologie bezeichnet man die kleinsten Einheiten der Sprache mit einer Bedeutung als Morpheme, und insofern sind nach der Saussureschen Zeichenauffassung Morpheme nichts anderes als die kleinsten sprachlichen Zeichen.
Allerdings muss das, was man gemeinhin unter „Bedeutung" versteht, ein wenig korrigiert werden: Dass Hund, blau oder leucht- eine Bedeutung haben, ist wohl kaum kontrovers, doch erscheint es auf den ersten Blick etwas gewagt, sie mit Gebilden wie -e, -en, -te, aber auch Wörtern wie dass, und oder für gleichzustellen. Während man bei Hund, blau, leucht- von lexikalischer Bedeutung sprechen kann, die realen oder gedachten Gegenständen, Sachverhalten, Tätigkeiten, Vorgängen, Eigenschaften etc. zukommt, liegt bei -e, -en, -te, dass, und, für etc. grammatikalische Bedeutung vor; solche Elemente signalisieren grammatikalische Relationen, also Beziehungen zwischen Elementen mit einer lexikalischen Bedeutung. Daher bezeichnet man auch die Morpheme je nach der Art der Bedeutung, die ihnen als sprachlichen Zeichen innewohnt, als lexikalische oder grammatikalische Morpheme.
Das Morphem, die morphologisch relevante Einheit der Sprache, erinnert in gewisser Weise an das Phonem, welches als die kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit definiert wird. Wie dieses ist auch das Morphem keine konkrete, „wahrnehmbare" Größe, sondern eine Abstraktion. Was wir mit unserem Wissen von der Bedeutung durch Segmentieren gewinnen können, sind nicht Morpheme, sondern Morphe. Das Morph ist also die kleinste bedeutungstragende Einheit auf der Ebene der parole, mit anderen Worten ein Element, das sich aus einer Lautfolge als unteilbarer Bedeutungsträger isolieren lässt. Auf dieser Stufe wird noch nicht die Frage gestellt, zu welcher abstrakten Einheit (zu welchem Morphem) es gehört. Insofern kann man das Morph auch als ein (vorläufig) unklassifiziertes Segment einer realen Lautkette bezeichnen.
Betrachten wir einmal die folgende (der Einfachheit halber nicht in phonetischer oder phonologischer Transkription wiedergegebene) Sequenz:
(9) männerrauchenzigarren
Die Segmentierung in die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten liefert uns folgendes Ergebnis:
(9a) männ er \ rauch \ en zigarre \ n
Diese konkreten Einheiten männ-, -er, rauch-, -en, zigarre-, -n stellen also im vorliegenden Fall die Morphe dar. Davon tragen männ-, rauch- und zigarre- eine lexikalische, -er, -en- und -en eine grammatikalische Bedeutung.
Die einzelnen Morphe lassen sich nun morphologisch klassifizieren, d.h. Morphemen zuordnen. Die Einheiten rauch- und zigarre- stellen dabei kein Problem dar. Da sie nur in diesen Formen auftreten können, sind sie abstrahierbar als {rauch} bzw. {zigarre} (Morpheme werden gewöhnlich durch geschwungene Klammern gekennzeichnet).
Wie ist aber mit männ- zu verfahren? Offensichtlich ist dies eine von mehreren möglichen Formen, vgl.:
(10) Der Mann raucht eine Zigarre.
Das Segment männ ist nicht als ein ganz anderes Zeichen als mann- mit einer völlig anderen Bedeutung zu betrachten, sondern als eine Erscheinungsform von demselben Zeichen, also eine der beiden konkreten Varianten, die die abstrakte Einheit, eben das Morphem, annehmen kann. Diesen Umstand kann man formalisiert darstellen als {mann ~ männ}; damit wird festgehalten, dass das Morphem in zwei unterschiedlichen Varianten auftritt. Solche Morphemvarianten werden - wiederum parallel zur phonologischen Terminologie - als Allomorphe bezeichnet.
Wir können nun zusammenfassen, dass in unserem Beispielsatz die lexikalischen Morpheme {mann ~ männ}, {rauch} und {zigarre} auftreten, von denen das erste sich in Form von zwei Allomorphen präsentiert: mann in der Umgebung „Singular", männ in der Umgebung „Plural".
Etwas andere Verhältnisse herrschen bei den festgestellten Segmenten mit grammatikalischer Bedeutung. Die beiden Morphe -er und -n sind derselben abstrakten Einheit zuzuordnen, nämlich {Plural}. Wir können sie also als Allomorphe des Pluralmorphems klassifizieren, als zwei Varianten desselben Morphems, und keineswegs als die einzigen, wie die folgenden Wortpaare zeigen:
(11)MannMänn | er
ZigarreZigarre | n
BahnBahn | en
MutterMütter | -
Das Beispiel Mutter : Mütter zeigt, dass es bei den grammatikalischen Morphemen des Deutschen auch Null-Allomorphe geben kann, die regelhaft auftretende lautliche Nichtrealisierung des Morphems.
Nun bleibt für die Vervollständigung der Analyse von (9) bzw. (9a) nur noch die Klassifikation des Morphs -en. Als Flexionsendung trägt es hier die grammatikalische Bedeutung „3. Person Plural Indikativ Präsens". Das entsprechende Morphem kennt außer der Realisierung als -en (ebenso: wir sprech-en, geb-en, streit-en) auch noch das Allomorph -n, wie die Beispiele wir lächel-n, forder-n etc. zeigen.
Zum Unterschied von den Allomorphen bei lexikalischen Morphemen (z.B. {mann ~ männ}, {mutter ~ mütter}, {sprech ~ sprich ~ sprach ~ ...}), deren Verteilung grammatikalisch determiniert ist, also von Parametern wie Numerus, Tempus, Modus etc. abhängt, sind die einzelnen Allomorphe der grammatikalischen Morpheme entweder - aus synchronischer Sicht - regellos verteilt (wie z.B. die Plural-Allomorphe) oder phonologisch determinert, wie etwa die Allomorphe in -wir rauch-en : wir lächel-n (nach unbetontem -el oder -er kann nach den deutschen Distributionsregeln nur -n stehen, nicht aber -en).
Halten wir also fest, dass wir als Ergebnis des Segmentierens in die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten zunächst Morphe erhalten, die sodann den abstrakten Einheiten der Morpheme zugeordnet werden können (welche lexikalische oder grammatikalische Morpheme darstellen). Diese Morpheme treten vielfach in zwei oder auch mehr Realisierungsvarianten auf, den Allomorphen.
Erwähnenswert ist auch, dass die Zahl der Morpheme einer Sprache nach oben offen, also prinzipiell keinen Begrenzungen unterworfen ist, ganz im Gegensatz zu den Phonemen, deren Anzahl stets festgelegt ist und kaum jemals 50 übersteigt. Was die Allomorphe im Verhältnis zu den Allophonen betrifft, ist die Situation umgekehrt: Während die Realisierung eines Phonems in Form von freien Allophonen praktisch unendlich viele Möglichkeiten zulässt, ist die Zahl der Allomorphe immer begrenzt; auch in Fällen wie dem Pluralmorphem, das verhältnismäßig viele Varianten kennt, kann exakt angegeben werden, wie viele solcher Allomorphe möglich sind und wie sie konkret aussehen.
4.2. Homonyme Morphe
Bei der Segmentierung einer Lautkette in Morphe und dem nachfolgenden Versuch, sie Morphemen zuzuordnen, treten vielfach Schwierigkeiten auf, die es in der Phonologie nicht gibt. Während ein Phon immer nur als Allophon eines ganz bestimmten Phonems klassifiziert werden kann, nicht aber als Variante mehrerer Phoneme zugleich, können viele Morphe Realisierungen sowohl des einen wie auch des anderenMorphems darstellen. Vgl. die folgenden Beispiele:
(12) Ich liebe Hunde.
(13) Diese Räume wurden einmal von Sigmund Freud bewohnt.
(14) Bitte den Saal zu räumen!
In (12) finden sich zwei Morphe in der Gestalt -e, die offensichtlich unterschiedliche Bedeutungen tragen: In lieb-e handelt es sich um eine verbale Flexionsendung („1. Person Singular Indikativ Präsens"), in Hund-e hingegen um eine substantivische („Akkusativ Plural"). Beide sind gleichlautend, homonym, jedoch als Realisierungen zweier verschiedener Morpheme zu interpretieren. Solche Morphe werden als homonyme Morphe bezeichnet. Gerade im Deutschen stellen wir bei den grammatikalischen Morphemen sehr häufig fest, dass dieselbe lautliche Gestalt die verschiedensten Funktionen erfüllen kann, man denke etwa an das Flexiv (= Flexionsendung) -en, das in Wörtern wie geb-en (Infinitiv), (wir) geb-en, (sie) geb-en, rot-en (in mehreren adjektivischen Flexionsformen), Herz-en (in allen pluralischen Kasus) jeweils andere Bedeutungen hat.
Wie die beiden anderen Beispiele zeigen, tritt dasselbe Phänomen auch bei lexikalischen Morphemen auf: räum- in (13) und räum- in (14) gehören offensichtlich nicht zu demselben Morphem (die Groß- bzw. Kleinschreibung ist dabei irrelevant!), tragen also bei identischer Form unterschiedliche Bedeutungen und sind damit ebenfalls homonyme Morphe.
4.3. Freie und gebundene Morpheme
Bei den Morphemen müssen wir noch eine Unterscheidung vornehmen, die sich aufgrund des Kriteriums ergibt, ob sie selbständig oder nur in Verbindung mit anderen Morphemen auftreten können. Das heißt, dass wir je nachdem, ob ein Morphem potentiell als Wort auftreten kann oder nicht, zwei Unterarten von Morphemen anzunehmen haben. Vgl. dazu das folgende Beispiel:
(15) Kinder lachen oft über die alten Leute.
Wenn wir die einzelnen morphologisch relevanten Einheiten voneinander sondern, so ergeben sich folgende Segmentgrenzen:
5 a) Kind \ er \ lach \ en \ oft \ über \ die \ alt \ en \ Leut \ e
Unter den lexikalischen Einheiten gibt es solche, die selbständig als Wörter vorkommen können: Kind, lach (als Imperativ), oft und alt; sie stellen so genannte freie Morpheme dar (genauer: lassen sich freien Morphemen zuordnen). Die Lautkette Leut- hingegen kann nur in Verbindung mit anderen Morphemen als Wort stehen; hier liegt daher ein gebundenes Morphem in der Form {leut} vor. Andere lexikalische gebundene Morpheme wären etwa {regn} (in regn-en, regn-ete etc.) oder {seh}. In dieselbe Kategorie fallen auch die so genannten unikalen Morpheme, welche nur in einer einzigen Kombination möglich sind, vgl. Himbeere oder Knoblauch (die Ansicht, diese Wörter seien nicht segmentierbar, ist nicht haltbar, da Him-beere in einer paradigmatischen Relation zu Erd-beere, Holunder-beere etc. steht; dasselbe gilt für Knob-lauch, vgl. Schnitt-lauch, Bär-lauch etc.).
Wir konnten also feststellen, dass sich die Menge der lexikalischen Morpheme keineswegs mit der der freien Morpheme deckt. Dasselbe gilt auch für die grammatikalischen Morpheme: Grammatikalische Bedeutung tragen in Satz (15) die Segmente die, -er, -en (zwei verschiedenen Morphemen als Allomorphe zuzuordnen), über (welches nicht als lexikalisches Morphem gelten kann, da es lediglich für den Ausdruck grammatikalischer Relationen zuständig ist) sowie -e. Darunter bedürfen die und über keiner Verbindung mit anderen Morphemen, sind also freien grammatikalischen Morphemen zuzuordnen. In dieselbe Gruppe fallen auch die Personalpronomina wie ich, du, wir etc., die eine sogenannte deiktische Funktion haben (eine „Zeigefunktion", die vom Sprech- bzw. Handlungskontext abhängig ist), oder (Kon)Junktionen wie und, wenn, dass. Die Segmente -er, -en und -e sind hingegen Realisationen von gebundenen grammatikalischen Morphemen, da sie nicht als selbständige Wörter auftreten können, sondern nur in Verbindung mit anderen Morphemen.
In der folgenden tabellarischen Darstellung werden einige Beispiele für die einzelnen Möglichkeiten angeführt (da etwaige Allomorphe bzw. Homonymien berücksichtigt werden müssten, wird auf Morphemklammern verzichtet):
frei
gebunden
lexikalisch
Haus, Bier, rot,selten, schon,Franz
regn-, seh-, Heidel-,Fieder-, -flat,-wirsch
grammatikalisch
ich, er, oder,wenn,bis, auf, zwischen
be-, ent-, un-, -e,-t, -en, -lieh, -bar
In der Tabelle sind unter anderem auch Elemente wie be-, -ent-, -un, -lieh oder -bar enthalten, die offensichtlich eine andere Funktion als -e, -t, -en erfüllen. Sie sind nicht für die Kennzeichnung bestimmter Flexionskategorien in flektierbaren Wörtern zuständig (also Person, Tempus, Numerus etc.), sondern stellen sogenannte Wortbildungsmorpheme dar, also Mittel zur Ableitung neuer Wörter aus einem vorhandenen Inventar. Auf diese wird in der Folge noch ausführlicher einzugehen sein.
5. Wortbildung
Während bei der - hier nicht weiter zu besprechenden - Flexion Wörter durch Flexive (d.s. im Deutschen fast ausnahmslos Flexionsendungen) abgewandelt werden, geht es bei der Wortbildung um die Bildung neuer Wörter auf der Basis vorhandener Mittel. Mit Wortbildung ist also primär nicht die „Urschöpfung" von Wörtern ohne Bezug zu bereits im Zeichensystem Verankertem gemeint, wenngleich auch dies gelegentlich vorkommen mag, z.B. in moderner Literatur (vgl. Christian Morgensterns Gedicht „Das große Lalula"). Wenn ein Sprachverwender „kreativ" wird und Wörter wie entbröseln, bewunderbar oder Schluckaufriesling äußert, so greift er dabei auf dasin der Sprachgemeinschaft etablierte sprachliche Inventar zurück.
Die Wortbildungslehre befasst sich also mit den Verfahren und Gesetzmäßigkeiten bei der Bildung komplexer Wörter. Dabei gibt es zwei in sehr vielen Sprachen festzustellende Haupttypen, die wir etwas ausführlicher zu erörtern haben, und zwar die Zusammensetzung oder Komposition (z.B. Haustor, eiskalt, radfahren} und die Ableitung oder Derivation (z.B. Unfall, sportlich, entwerten); dazu kommen noch einige weitere Wortbildungsarten. Zuvor soll aber versucht werden, die Frage nach der Motivation für die Bildung komplexer Wörter zu beantworten.
5.1. Ursachen der Wortbildung
Der Wortschatz einer Sprache ist, wie bereits angedeutet, ein offenes System, bei dem es keine prinzipiellen Obergrenzen in Bezug auf die Zahl der Lexikoneinheiten gibt. Zu allen Zeiten war eine Vermehrung des Wortbestandes festzustellen. Zwar sterben einzelne Wörter aus den verschiedensten Gründen aus (z.B. weil die damit bezeichneten Sachen nicht mehr existieren, vgl. mhd. brünne „Brustharnisch"), der Zuwachs ist jedoch stets größer gewesen als der Verlust. Einen Teil dieses Zuwachses machen die Fremd- und Lehnwörter aus, die aus anderen Sprachen in das lexikalische System eindringen; der andere Teil ist auf Neubildungen aus dem vorhandenen Sprachmaterial zurückzuführen, eben auf das, was wir unter Wortbildung verstehen.
Welche Ursachen für solche Vorgänge lassen sich nun festhalten? Die wichtigsten seien kurz zusammengefasst (wir folgen hier im Wesentlichen ERBEN 1993, bzw. GROSS 1988):
Zum einen sind dafür objektive Ursachen verantwortlich zu machen. Damit ist gemeint, dass die kulturelle Entwicklung eine Vermehrung an Gegenständen, Sachverhalten, Ideen etc. mit sich bringt, die benannt werden müssen. Mit der Erfindung einer Maschine, die dem Menschen das Nähen abnahm, war natürlich auch die Notwendigkeit gegeben, ein neues sprachliches Zeichen zu schaffen, also dem aufgetauchten neuen Inhalt einen Ausdruck zuzuordnen: Nähmaschine. Ähnliches gilt auch für den Abstraktbereich; ein Wort, das im Zusammenhang mit einem veränderten gesellschaftlichen Bewusstsein um den Zustand der uns umgebenden Natur vor einiger Zeit gebildet wurde und seither aus dem Alltagswortschatz nicht mehr wegzudenken ist, ist z.B. Umweltschutz.
Neben solchen objektiven Ursachen, die wohl die Haupttriebfeder für neue Wortbildungen darstellen, lassen sich auch subjektive Ursachen festmachen. Das sind solche, die mit bestimmten vom Sprachverwender intendierten Wirkungen zu tun haben. Man denke etwa an die Werbung, bei der die Wortbildungsmöglichkeiten sehr gezielt eingesetzt werden, um das Konsumverhalten der Gesellschaft zu beeinflussen, vgl. etwa Schmusewolle, Superaufprallschutz, megasauber. Daneben gibt es aber auch noch andere als subjektiv zu bezeichnende Motive, wie z.B. das Bestreben, mittels neuer Wortbildungen eine soziale Umwertung zu erreichen; vgl. den Ersatz des bereits vorhandenen Kompositums Fremdarbeiter durch Gastarbeiter oder die Bildung Raumpflegerin, die im Vergleich zu Putzfrau ein wesentlich höheres soziales Prestige andeutet.
Außer den genannten subjektiven und objektiven Ursachen sind auch noch solche anzuführen, die in irgendeiner Weise mit dem Sprachsystem selbst zusammenhängen. Diesbezüglich kann man von sprachstrukturellen Ursachen sprechen; diese sind häufig in Verbindung mit anderen, vor allem mit objektiven Ursachen namhaft zu machen, wie die Beispiele deutlich machen werden. Aus der Fülle der hier zu nennenden Phänomene seien einige herausgegriffen:
Das Deutsche erlaubt es in besonders hohem Maße, ein Wort mit Hilfe von Wortbildungsmitteln in andere Wortarten zu überführen bzw. mit neuen Bedeutungsaspekten zu versehen. So kann etwa der im Verb fragen enthaltene Stamm frag- (nach FLEISCHER 1982 ist ein Stamm ein Morphem oder eine Morphemkonstruktion, an die ein Flexionssuffix treten kann) als Ausgangspunkt für die Bildung von Wörtern wie Frage, Frager, Fragerei, be-, er-, aus-, hinterfragen, fraglich, fraglos etc. dienen.
In manchen Fällen können durch Wortbildungsmaßnahmen Flexionslücken aufgefüllt werden. So existiert z.B. kein Plural von Schnee, doch kann im Bedarfsfalle die Zusammensetzung Schneemassen einspringen; dasselbe gilt für Kaffee und Kaffeesorten oder (in umgekehrter Richtung) für Eltern und Elternteil.
Gelegentlich ist es auch erforderlich, bei homonymen bzw. polysemen Wörtern (also solchen, die bei identischer Ausdrucksseite unterschiedliche Inhalte haben) Eindeutigkeit zu schaffen, was wiederum durch geeignete Wortbildungsmittel möglich ist Feder kann verschiedene Bedeutungen haben, und es sind Kontexte denkbar, in denen es zu Missverständnissen kommen könnte. Daher kann es angebracht sein, durch eine Komposition deutlich zu machen, was im konkreten Fall gemeint ist (Vogelfeder, Schreibfeder, Sprungfeder).
Zuletzt sei noch das Motiv des Strebens nach Ökonomie (einfacher gesagt: nach Kürze) angeführt. Vor allem bei Wörtern, die sehr häufig in bestimmten Kommunikationsformen gebraucht werden, besteht die Tendenz zur Verkürzung; vgl. OP für Operationssaal, Uni für Universität.
5.2. Arten der Wortbildung
In der Wortbildungslehre spricht man im Falle von rot, Haus, bei etc. von einfachen Wörtern oder Simplizia (Singular: Simplex), da sie weder zusammengesetzt noch abgeleitet sind. Dabei spielen natürlich Flexive keinerlei Rolle: Formen wie rotes oder Häuser sind lediglich Flexionsformen von Simplizia. Solche einfachen Wörter sind in Bezug auf ihre Bildungsweise kaum von Interesse. Wir konzentrieren uns daher in der Folge auf komplexe Wörter.
5.2.1. Komposition
Der Vorgang der Komposition lässt sich am einfachsten beschreiben als die Bildung eines Wortes aus mehreren Wörtern; eine Definition wie „Verbindung aus mehreren freien Morphemen", die in dieser oder einer ähnlichen Version häufig zu lesen ist, klingt zwar wissenschaftlicher, ist aber im Einzelnen nicht haltbar (z.B. stellt ehr- in ehrwürdig kein freies Morphem dar). Das Ergebnis einer Komposition, also ein zusammengesetztes Wort, wird als Kompositum bezeichnet (Plural: Komposita).
5.2.1.1. Determinativ- und Kopulativkomposita
Nach dem semantischen Verhältnis der Komponenten zueinander kann man prinzipiell zwei Arten unterscheiden:
Zum einen spricht man von Determinativkomposita, wenn zwischen den Bestandteilen ein determinatives Verhältnis besteht, also ein Glied durch ein anderes „näher bestimmt" wird. Sie stellen den weitaus größten Teil der Zusammensetzungen im Deutschen. Beispiele dafür sind etwa die Substantiva Sparbuch, Landkarte, Rotbarsch; adjektivische Determinativkomposita sind z.B. randvoll, himmelblau, brennheiß; seltener (und bezüglich ihres Status als Komposita nicht unumstritten) sind verbale Zusammensetzung dieser Art: staubsaugen, kopfstehen, fremdgehen etc.
In solchen Wortbildungen determiniert immer die erste Komponente die zweite, was auch impliziert, dass die Reihenfolge der Kompositionsbestandteile nicht umkehrbar ist (Holzbau ist etwas anderes als Bauholz). Die Bedeutung des Kompositums Sparbuch, in der -buch durch spar- determiniert wird, ist eine engere als die von Buch allein, da das Erstglied sozusagen eine bestimmte Teilmenge aus der Menge der Bücher definiert.
Eine andere Möglichkeit der Zusammensetzung liegt vor, wenn zwischen den einzelnen Gliedern ein koordinatives Verhältnis besteht, ein „Sowohl-als-Auch". Dies ist der Fall in Wörtern wie Hosenrock, Dichter-Sänger, nasskalt, schwarz-rot-gold. In diesen wird nicht das eine Glied durch das andere determiniert: nasskalt bedeutet nicht „kalt auf eine nasse Art und Weise" oder dergleichen, sondern „nass und kalt zugleich". Solche Zusammensetzungen werden als Kopulativkomposita, manchmal auch als Koordinativkomposita, bezeichnet; die Reihenfolge der Komponenten ist im Grund
Vloženo: 17.08.2011
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